Fröhliche Weihnachten mitWeihnachtsgeschichtenWeihnachtsgedichte und Weihnachtslieder
Fröhliche Weihnachten 2011! Hier finden Sie Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte

Twas the Night before Christmas

October 28th, 2009

Clement Clarke Moore (1779 – 1863)

Twas the night before Christmas, when all through the house
Not a creature was stirring, not even a mouse.
The stockings were hung by the chimney with care,
In hopes that St Nicholas soon would be there.

The children were nestled all snug in their beds,
While visions of sugar-plums danced in their heads.
And mamma in her ‘kerchief, and I in my cap,
Had just settled our brains for a long winter’s nap.

When out on the lawn there arose such a clatter,
I sprang from the bed to see what was the matter.
Away to the window I flew like a flash,
Tore open the shutters and threw up the sash.

The moon on the breast of the new-fallen snow
Gave the lustre of mid-day to objects below.
When, what to my wondering eyes should appear,
But a miniature sleigh, and eight tinny reindeer.

With a little old driver, so lively and quick,
I knew in a moment it must be St Nick.
More rapid than eagles his coursers they came,
And he whistled, and shouted, and called them by name!

“Now Dasher! now, Dancer! now, Prancer and Vixen!
On, Comet! On, Cupid! on, on Donner and Blitzen!
To the top of the porch! to the top of the wall!
Now dash away! Dash away! Dash away all!”

As dry leaves that before the wild hurricane fly,
When they meet with an obstacle, mount to the sky.
So up to the house-top the coursers they flew,
With the sleigh full of Toys, and St Nicholas too.

And then, in a twinkling, I heard on the roof
The prancing and pawing of each little hoof.
As I drew in my head, and was turning around,
Down the chimney St Nicholas came with a bound.

He was dressed all in fur, from his head to his foot,
And his clothes were all tarnished with ashes and soot.
A bundle of Toys he had flung on his back,
And he looked like a peddler, just opening his pack.

His eyes-how they twinkled! his dimples how merry!
His cheeks were like roses, his nose like a cherry!
His droll little mouth was drawn up like a bow,
And the beard of his chin was as white as the snow.

The stump of a pipe he held tight in his teeth,
And the smoke it encircled his head like a wreath.
He had a broad face and a little round belly,
That shook when he laughed, like a bowlful of jelly!

He was chubby and plump, a right jolly old elf,
And I laughed when I saw him, in spite of myself!
A wink of his eye and a twist of his head,
Soon gave me to know I had nothing to dread.

He spoke not a word, but went straight to his work,
And filled all the stockings, then turned with a jerk.
And laying his finger aside of his nose,
And giving a nod, up the chimney he rose!

He sprang to his sleigh, to his team gave a whistle,
And away they all flew like the down of a thistle.
But I heard him exclaim, ‘ere he drove out of sight,
“Happy Christmas to all, and to all a good-night!”

Am 1. Weihnachtstag

October 28th, 2009

Predigt von Martin Luther zu Weihnachten am 1. Weihnachtstag

Lukas 2, 10-12

Wir haben zuvor die Geschichte gehört, wie Jesus Christus, Gottes Sohn, in diese Welt geboren ist und was wir daraus lernen sollen. Als nun solches zu Bethlehem geschehen, meldet der Evangelist, wie ein Engel vom Himmel zu einigen Hirten, die nahe dabei auf dem Felde bei ihren Herden waren, mit einem herrlichen, großen Licht kommen und von solcher Geburt den Hirten mit diesen Worten gepredigt habe:

Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt David. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegen.

Das ist die erste Predigt von diesem geborenen Kindlein, unseren Herrn Jesu, welche von den Engeln vom Himmel zu uns auf Erden gebracht worden ist. Deswegen sie wohl wert ist, daß wir es mit Fleiß lernen, und uns ja davor hüten, daß wir nicht denken, wir könnten es auslernen. Denn ob man es gleich alle Jahre, ja, alle Tage predigt, so werden wir es doch hier auf Erden nicht zu Ende lernen können.

Es ist aber diese Engelpredigt sehr nötig gewesen: denn wenn Christus zwanzigmal geboren wäre, so wäre es doch vergebens gewesen, wenn wir nichts davon wüßten. Denn was ist es, daß einer einen Schatz im Hause oder Keller hat, da er nichts von weiß? Dieser Schatz wird ihm wenig Freude machen. Wie das Sprichwort heißt: ein verborgener Schatz ist ein unnützer Schatz, weil man über ihn hinläuft, wie über den Dreck auf der Gasse, den man nicht achtet. Also ist es hier mit dieser heiligen, freudenreichen Geburt auch. Wenn die lieben Engeln nicht davon gepredigt und solchen Schatz den Leuten nicht geoffenbart hätten, hätte niemand diesen Schatz begehren, viel weniger genießen, niemand wäre darüber froh geworden. Ursache, was einer nicht weiß, daß ficht ihn nicht an; es gibt wieder Lust noch Unlust, sondern ist, als wäre es nie gewesen oder sollte es nimmermehr etwas werden.

Darum ist dies der vornehmsten Stücke eins in dem heutigen Evangelium, daß der Engel mit seiner Predigt diese Geburt offenbart und zeigt uns diesen Schatz; daß wir nicht so vorüber gehen, den Schatz haben, und dennoch nichts davon wissen, uns weder darüber freuen noch trösten, und spricht: «Ich verkündige euch große Freude.»

Diese Worte sind sehr wohl gesetzt. Die Hirten sind über dem großen Licht und Glanz, als über einem ungewöhnlichen Ding, sehr erschrocken, daß Himmel und Erde in einem Augenblick die Nacht so hell als der Tag geworden ist. Solches sieht der Engel, spricht deswegen fröhlich an, und sagt: «Fürchtet euch nicht.» Als sollte er sprechen: Wir habt kein Ursache, daß ihr euch fürchten sollt; daß ihr euch aber fürchtet, ist ein gewisses Zeichen, daß ihr von dem edlen, teuren Schatz noch nichts wisset, den euch Gott geschenkt hat; sonst würdet ihr euch nicht fürchten, ja, ihr würdet euch von Herzen freuen und guter Dinge sein. Denn eben darum bin ich gekommen, daß ich euch eine große Freude verkündigen soll, ein großes Werk und Wunderzeichen, welches, so ihr es recht in euer Herz bilden werdet, so werdet ihr guter Dinge darüber sein und eine große, überschwengliche Freude haben.

Daß es also den Engeln vornehmlich darum zu tun ist, daß er gern eine solche Predigt tun wollte, die da haften bleibt und nicht umsonst wäre, sondern ausrichtet, was sie soll. Darum sagt er nicht von einer schlechten, sondern von einer großen Freude und nötigen Sache.

Und das darum: denn der Teufel hat durch die Sünde uns Menschen sehr herunter geworfen, und einen schrecklichen Jammer angerichtet, daß wir nicht allein in der Erbsünde stecken und den ewigen Tod auf uns haben, sondern noch täglich in der Welt allerlei Unglück von ihm erwarten müssen; also, daß niemand einen Augenblick sicher ist, weder des Leibes noch des Gutes wegen, welches alles in einer Gefahr schwebet. Über solchen Jammer ist noch ein größerer, wie im Evangelium geschrieben ist, daß der Teufel in die Leute fährt, macht sie toll und töricht, daß man mit Wahrheit sagen kann, ein solcher Mensch sei nichts, denn ein stinkendes heimliches Gefäß des Teufels. So schändlich hat er durch die Sünde uns Menschen zunichte gemacht, daß wir hier auf Erden nicht einen Bissen Brot können mächtig sein, müssen danach recht auch Gottes Zorn und ewigen Tod tragen. Das lasse ein schrecklich, jämmerlich und greulich Teufelsreich sein.

Dennoch, wenn wir es recht bedenken und beides gegeneinander abwägen, so ist solcher Jammer, welchen wir vom Teufel haben, keineswegs der Herrlichkeit und diesem trefflichen Schatz und Freude zu vergleichen, da der Engeln hier von predigt, und sagt: «Fürchtet euch nicht, ich verkündige euch große Freude, euch ist der Heiland geboren.» Mit solcher Predigt wollte der Engel gern unseren Herzen abwenden von allem solchen Teufelsjammer auf dies Kindlein; und meint, der hätte alsdann ein Werk eines christlichen Predigers ausgerichtet, wenn er uns dahin bringen könnte, daß wir diesen Heiland recht ansehen und als unser Fleisch und Blut erkennen lernten. Und es ist gewiß wahr: wenn es sein sollte oder könnte, daß dies fröhliche Bild in eines Menschen Herz recht ginge, so würde dieser Schatz allen gering sein, welchen wir vom Teufel haben, ob es gleich ein großer und ewiger Schade sei.

Wer nun den Teufel überwinden, sein Gift und Zorn verlachen und vor ihm sicher sein will; der muß es allein mit diesem süßen Anblick und Trost tun, wovon der Engel hier predigt und sagt: Euch ist der Heiland geboren. Wenn dieser Blick recht in das Herz fällt, so ist die Sache schon gewonnen. Denn da denkt der Mensch also: Der Teufel hat mich und alle Menschen geschändet und erwürgt, in Gottes Zorn und ewiges Urteil geworfen: aber so groß ist dieser Schade nicht; der Schatz, welchen mir Gott gegeben hat, ist noch größer, nämlich, daß Gott, mein Herr, nicht das menschliche Geschlecht besitzt, wie der Teufel pflegt die Menschen zu besitzen; sondern er selbst wird wahrer Mensch, daß also aus Gott und menschlicher Natur eine Person wird. So nahe kann der Teufel einem Menschen nicht kommen. Denn ob er gleich einen Menschen besitzt, so bleibt doch der Mensch Mensch, der Teufel Teufel, und so sind zwei unterschiedliche Personen und Naturen. Dagegen ist nun der Sohn Gottes Mensch geworden, daß ich mit der Wahrheit sagen kann: Dieser Mensch ist Gott, und Gott ist Mensch.

Deswegen hat sich unser lieber gnädiger Gott im Himmel viel näher zu uns getan und ist viel tiefer in unser Fleisch gekommen, denn als der Teufel hineinkommen kann. Der mag einen Menschen besitzen und martern, aber er kann nicht ein persönlicher Mensch werden, die Naturen bleiben immer geschieden, nicht allein nach dem Wesen, sondern auch in der Personen. Solches aber ist hier eins, der Sohn Gottes ist unser Fleisch um Blut, von Maria, der Jungfrau, geboren, natürlicher Weise, wie ich und du, ausgenommen, daß er ohne männlichen Samen vom Heiligen Geist empfangen, und das Gift des leidigen Teufels nicht mit hat angenommen, sondern hat ein ganz und gar rein unschuldig Fleisch und Blut. Außer diesem einigen Stück, daß unser Fleisch und Blut unrein und sündig ist, ist er ein Mensch wie ich und du, er hat essen müssen, trinken, schlafen, aufwachen, wie andere Menschen von Natur aus tun müssen, wie Paulus sagt: «Der ist erfunden wie ein Mensch»; das wer ihm gehört oder gesehen, hat müssen sagen: Das ist ein wahrhaftiger natürlicher Mensch, kein Gespenst. Denn er hat alle Art dieses Lebens an sich.

Das ist die Freude, da der Engel von sagt. Ich rede aber jetzt nur allein von der Ehre, der wir uns freuen sollen, noch nicht von der Frucht, von welcher man predigt, wenn man von seinem Leiden und Auferstehen predigt. Jetzt sagen wir allein von der Ehre, daß Gott uns so nahe geworden ist, daß er unser Fleisch und Blut, und ein persönlicher Mensch ist, wie ich und du sind, allein das ausgenommen, daß er ohne alle Sünde ist. Mit dieser unaussprechlichen Ehre hat er das menschliche Geschlecht geziert. Das wollte der Engel den Leuten gern einbilden und spricht: «Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird.»

Der ist fröhlich und guter Dinge darüber, brennt und springt vor lauter Freude, schämt sich der armen Hirten nicht, daß er ihnen predigen soll, sondern ist guter Dinge darüber, und wollte gern, daß jedermann solches zu Herzen ginge, wie ihm, und alle Menschen solche große Ehre erkennen lernten, daß die menschliche Natur zu der Herrlichkeit gekommen ist, daß der Sohn Gottes, durch welchen alles erschaffen ist, die hohe Majestät, unser Fleisch und Blut geworden ist.

Denn da wäre nicht wunder, wenn wir gleich sonst nichts davon hätten, daß wir Menschen unter einander uns so lieb gewinnen sollten, daß eines das andere vor Liebe, wie man sagt, fressen sollte. Ich rede aber noch nicht von dem Nutzen und Brauch, sondern allein von der Ehre. Wenn dieselbe uns recht zu Herzen ginge, da sollten wir nie einem Menschen feind sein können. Ursache, wer wollte doch dem Bild feind sein oder Böses tun, das Leib und Seele hat, wie mein und dein Gott? Sollten wir nun nicht um solcher Ehre willen, die Gott uns bewiesen hat, alle Menschen auch lieben und ihnen alles Gute tun?

Die Engel sind eine viel herrlichere Kreatur denn wir Menschen; das hat Gott nicht angesehen. Gott ist nicht ein Engel geworden. Dazu sind die Engel auch unschuldige und heilige Geister, die nicht gefallen sind, wie die anderen Engel und wir armen Menschen. Da läßt es sich ansehen, als wäre es billiger gewesen, daß Gott ein Engel sollte geworden sein. So fährt er zu, nimmt die geringe, arme Kreatur an, die in Sünden steckt, in des Teufels Reich und unter des Todes Gewalt ist, die der Teufel auf das äußerste plagt und schändet. Das heißt ja tief sich zu uns herunter gebeugt. Sollte denn uns solches nicht erweichen, daß wir mit aller Brunst unter einander uns lieb hätten, alle Freundschaft und Dienst unter einander beweisen, nicht so unter einander verachten, neideten?

Etliche Väter, meinen, der Teufel, der im Himmel gesehen habe, daß der Sohn Gottes soll Mensch werden, habe er aus solcher Ursache einen Neid gegen die Menschen und einen Haß gegen Gott bekommen, daß er nicht mehr ein Engel sein wollte sondern ein Mensch hat werden wollen, sei also aus Hoffart und Neid herunter gefallen. Solches mag wohl ein Gedanke unter wahr sein. Es habe aber dennoch die lieben Väter die große Freude und Ehre damit anzeigen wollen, welches uns in dem widerfahren ist, daß Gott ist ein Mensch geworden, eben das arme Fleisch und Blut an sich genommen hat, daß wir arme Menschen haben, welche vom Teufel besessen und dem Tod der Sünde wegen übergeben waren.

Was für unselige Leute müssen diese sein, die von solcher Ehre nichts wissen? Die aber sind viel unseliger, die solches von den Engeln, Aposteln, oder anderen Predigern hören, daß Gott die menschliche Natur so gnädig heimsucht, an sich genommen und über alle Kreatur zum Herren gemacht habe, und haben dennoch keine Freude daran. Ja, unselige Leute müssen es gewiß sein, die solches nicht fühlen, nicht Trost und Freude davon haben.

Wenn unter vielen Brüdern einer zum großen Herren wird, wie froh werden die anderen Brüder? Wie können sie sich so hoch trösten? Wie man an Josef seinen Brüdern im ersten Buch Mose sieht, da er sich ihnen zu erkennen gibt. Und ist wahr, solches ist eine natürliche Freude. Wie kommt es aber, daß wir uns dieser unaussprechlichen Ehre und Herrlichkeit nicht auch freuen, daß sie uns nicht zu Herzen gehen will, wir Gott nicht darum loben und danken, daß mein Gott mein Fleisch und Blut geworden, und jetzt droben sitzt zur rechten Hand Gottes, ein Herr über alle Kreatur?

Der solches recht in sein Herz fassen könnte, der sollte ja um des Fleisches und Blutes willen, daß droben zur rechten Gottes ist, alles Fleisch und Blut hier auf Erden lieb haben, und keinem Menschen mehr zürnen können. Das also die zarte Menschheit Christi, unseres Gottes, mit einem Anblick alle Herzen billig fröhlich und freundlich machen sollte, es und mit Freude so erfüllen, daß nie mehr ein zorniger Gedanke da sein möchte also, wer in seinem Herzen dies Bild wohl gefaßt hätte, daß Gottes Sohn ist Mensch geworden, der sollte sich nie vom Herrn Christus etwas Böses, sondern nur etwas Gutes erhoffen. Denn ich weiß ja wohl, daß ich nicht gern mit mir selbst zürne, noch mir Arges begehre zu tun. Aber ist Christus eben der, der ich bin, ist auch ein Mensch; wie kann er es denn mit sich selbst, das ist, mit uns, die wir sein Fleisch Blut sind, übel meinen? Also würde solches Bild, wo es recht im Herzen wäre, in einem Augenblick alle greulichen Beispiele des Zornes Gottes verschmelzen, als da ist, die Sintflut, die Strafe von Sodom und Gomorra. Solches alles müßte in dem einigen Bild verschwinden, wenn wir denken an diesen einigen Menschen, der Gott ist, und die arme menschliche Natur so geehrt hat, daß er ist ein Mensch geworden.

Sind aber das nicht unselige Leute, wie gesagt, die solches hören, und achten es dennoch nicht, sondern lassen solchen Schatz liegen, denken nur, wie sie den Kasten mit Geld füllen, schöner Häuser bauen und große Pracht führen mögen? Solches kommt daher, daß der leidige Teufel die Herzen blendet, daß sie gar keinen Blick von solcher Freude, da der Engel hiervon predigt, sehen können.

Dies ist nun ein Stück, daß uns bewegen sollte zu großer Freude und seliger Hoffart, daß wir also geehrt sind über alle Kreatur, auch über die Engel, daß wir nun können mit der Wahrheit rühmen: Mein Fleisch, mein Blut sitzt zur rechten Gottes und regiert über alles. Solche Ehre hat keine Kreatur, kein Engel nicht, es sie mein Fleisch und Blut aber hat es. Das sollte doch wohl allein schon ein Backofen sein, wo unser Herz drin schmelzen, und eine solche Brunst unter uns Menschen anrichtete, daß wir von Herzen einander liebten. Aber da hat, wie gesagt, der leidige Teufel sein Gespenst, daß wir es in der Kirche hören, danach nicht weiter daran denken, sondern bald vergessen. Das verdirbt uns diese Freude mit anderen Sorgen, auf das wir dies Bild nicht in unser Herz einschließen, wie wir sollten. Wenn wir nun nicht mehr denn diese Ehre hätten, so sollten wir vor Freuden springen und tanzen.

Nun aber über diese natürliche Ehre und Freude ist noch dies dabei, daß er, der Mensch Jesus, auch unser Heiland sein will. Das ist aller erst daß Rechte Stück und größte Ursache, daß wir sollen fröhlich sein. Daher sind es unselige Leute, die davon nicht hören noch wissen. Aber wie zuvor gesagt, viel unseliger sind die, die es hören und wissen, und doch nicht achten. Denn diese Worte sollten Himmel und Erde zerschmelzen, und uns aus dem Tode eitel Zucker, und aus allem Unglück, welches doch unzählig ist, eitel köstliche Perlen machen. Denn welcher Mensch ist, der dieses alles ausdenken kann, daß uns ein Heiland geboren ist? Solchen Schatz gibt der Engel nicht allein seiner Mutter, der Jungfrau Maria, sondern uns Menschen allen. «Euch, euch,» spricht er, «ist der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.»

Der Engeln redet mit den Hirten; die waren Juden und kannten daß Wort «Christus» in ihrer Sprache sehr wohl, daß es heiße einen König und Herrn. Aber da irrte der meiste Teil der Juden, daß sie dachten, er würde ein Herr und Heiland im leiblichen Regiment sein. Das war die Meinung nicht. Der Engel sieht auf ein Höheres, da er spricht: «Euch ist der Heiland geboren»; als wollte er sagen: Ihr seid bisher des Teufels Gefangene gewesen, der hat euch geplagt mit Wasser, Feuer, Pest, Schwert, und wer kann die Unglücke alle erzählen? Da liegt ihr armen Menschen unter seiner Tyrannei. Die Seele verführt er mit Lügen, das ist unzählig mehr schädlicher, denn alle Pestilenz dem Leib sein kann. So hat der arme, dürftige, schwache Leib auch keine Ruhe vor ihm. Wenn er nun Seele und Leib so geplagt hat, so steckt noch der ewige Tod dahinter. Euch nun, spricht der Engel, euch, die ihr mit Seele und Leib unter solchem schädlichen, bösen, giftigen Geist, der der Welt Fürst und Gott ist, gefangen liegt, ist der Heiland geboren.

Das Wörtlein «euch» sollte uns ja fröhlich machen. Denn mit wem redet er? Mit Holz oder Steinen? Nein, sondern mit Menschen, und nicht mit einem oder zwei allein, sondern mit allem Volk. Was wollen wir nun daraus machen? Wollen wir auch weiter zweifeln an der Gnade Gottes und sprechen: Über den Heiland mag sich wohl St. Peter und St. Paul freuen; ich darf es nicht tun, ich bin ein armer Sünder, dieser edle, teure Schatz geht mich nicht an? Lieber, wenn du es so willst sagen: Er ist nicht mein; wessen ist der dann? Ist der um der Gänse, Enten oder Kühe willen gekommen? Denn du mußt hier sehen, wer er sei. Hätte er wollen eine anderen Kreatur helfen, so wäre er dieselbe Kreatur geworden. Aber ist allein eines Menschen Sohn geworden.

Nun, wer bist du? Wer bin ich? Sind wir nicht Menschen? Ja. Wer soll sich denn dieses Kindleins annehmen, eben die Menschen? Die Engel dürfen nicht, die Teufel wollen sein nicht. Wir aber dürfen sein, unseretwillen ist er Mensch geworden. Deswegen gebührt es uns Menschen, daß wir mit Freuden uns seiner annehmen, wie der Engel hier sagt: «Euch ist der Heiland geboren.» Um kurz davor: «Ich verkündige euch große Freude, welche allem Volk widerfahren wird.» Ist es nicht ein großes, herrliches Ding, daß ein Engel von Himmel solche Botschaft den Menschen bringt? Und danach so viel tausend Engel so fröhlich darüber sind, wünschen und predigen, daß wir Menschen auch sollen fröhlich sein und solche Gnade mit Dank annehmen, wie wir hören werden.

Darum ist es ein trefflich, teures Wort, daß wir hier hören: «Euch ist der Heiland geboren.» Als wollte der Engel sagen: Diese Geburt ist nicht mein, darf mich ihrer nicht annehmen, ohne daß ich es euch von Herzen gerne gönne. Aber euer ist’s, die ihr arme, verdorbene und verlorene Menschen seid. Diesen ist er ein Heiland geworden. Darum nehmet ihn an, ihr bedürfet solchen Heiland, so euch von Sünden und Tod sollte geholfen werden. Jenes, davon zuvor gemeldet ist, ist an sich selbst ein herrlich, großes Ding, daß Gott ist ein Mensch geworden. Aber dies ist weit darüber, daß er soll unser geistlicher und ewiger Heiland sein. Wer solches recht fühlt und glaubt, der würde davon zu sagen wissen, was eine rechte Freude wäre, ja, sollten nicht lange vor großer Freude leben können. Aber, wie am Anfang gesagt, wir werden diese Predigt hier auf Erden nicht völlig fassen, noch auslernen können. Dies Leben ist zu eng, so sind unsere Herzen zu schwach dazu. Sonst wenn es möglich wäre, daß es ein Herz recht annehmen könnte, müßte es vor Freude zerspringen, würde auch nimmermehr keinen traurigen Gedanken fühlen.

Es sollte, wenn wir glaubten, und zum wenigsten diese Frucht daraus folgen, daß wir freundlich unter einander leben würden, aufhörten mit Lügen und Trügen und allerlei Unrat, um des Bildes willen, daß Gott selbst ist ein Mensch geworden. Aber da sieht man, wie schwach es mit uns fortgeht, daß diese Freuden nicht recht ins Herz will, und wir beide, der Predigt des lieben Engels und des Heilands, vergessen, und der meiste Teil der Menschen dem alten Geiz und anderen nachgehen. Welches ein gewisses Zeichen ist, daß wir solche Predigt nicht fest, oder ja schwach glauben, sonst würden wir fröhlich sein, uns nicht bekümmern, wenn wir glaubten, daß wir einen solchen Heiland hätten. Wie sollte wohl ein Mensch sich freuen wenn die Glocken bei seinem Sterben läuten, wenn er eine gewisse Arznei gegen diesen Tod hätte! Solche Freude würde man fühlen, daß sie von Herzen ginge. Aber hier, der wir eine gewisse Versicherung gegen Sünde und den ewigen Tod haben, freut sich niemand, oder nur wenige. Der meiste Haufe sucht eine andere Freude, daß er hier Friede, Ruhe und gutes Leben habe, und ist sich doch keines Augenblicks hier sicher. Das ist ein Zeichen, daß wir diese freudenreichen Predigt, gleich als im Schlaf, hören, bleiben heillose Leute, die den Schatz vor Augen haben und achten sein doch nicht.

Wer nun also geschickt ist, daß er solches hört und keine Freude davon empfindet, der mag sich wohl für einen unseligen Menschen achten. Denn was will doch ein Herz fröhlich machen, wenn es sich dessen nicht freuen, davon der Engel hier sagt: «Euch ist der Heiland geboren»? Wer sich nun dieser Predigt nicht bessern und frömmer werden will, wem dieser Schatz nicht schmecken und dies Feuer das Herz nicht erwärmen will, den mag der Henker frömmer machen, sonst ist ihm nicht zu helfen. Darum so lerne es für ein böses Zeichen zur achten, wo du dich dermaßen so kalt und erstarrst befindest, und bitte ja Gott von Herzen um seine Gnade, daß er durch seinen Heiligen Geist dir dein Herz ändern und helfen wolle.

Daß der Engel aber weiter meldet, er sei geboren, dieser Heiland, in der Stadt David, und nennt ihn Christum, den Herrn: mit den Worten weist er uns in die Schrift. Denn also war durch den Propheten Micha zuvor geweissagt, er sollte zu Bethlehem geboren werden.

Besonders aber heißt der Engel das Kindlein Jesum einen Herrn. Solches sollen wir nicht verstehen, als würde er ein weltlicher König sein, der sich als ein Tyrann erzeigen würde und mit der Keule dazwischen schlagen. Nein, sondern wie Gott zu Adam spricht: «Des Weibes Same soll der Schlange den Kopf zertreten»; und des Teufels Feind, aber unser Herr und Erlöser sein wolle, der mich und dich für das Seine ansprechen und als die Seinen vom Teufel abfordern wolle, und ihn sagen: Gib mir diesen her, den du gefangen hältst; er ist sich dein, sondern mein eigen Geschöpf, den ich nicht allein erschaffen, sondern auch mit meinem Leib und Blut erkauft habe; darum lasse ihn fahren und gib ihn mir wieder, denn er steht mir zu. Das also Christus ein tröstlicher Herr sei, der dem Teufel in das Regiment mit Gewalt greife, und das Seine zu sich nähme; der ihm unter die Augen trete und sagen: Du verfluchter Geist hast sie geführt in die Sünde und Tod, du betrügst und belügst sie, und sind doch nicht dein; ich bin der Herr, dem es nicht allein von Natur, sondern auch von Rechts wegen gebührt, und dir nicht, daß ich über die Menschen regieren soll, denn sie sind mein verdientes Gut.

Ja, sprichst du, hat doch der Sohn Gottes die Engel nicht erlöst, wie kann man denn das Wörtlein Herr also deuten? Antwort: Gegen uns hat solches Wörtlein keinen anderen Verstand, und ist recht also gedeutet. Aber weil der Engel einfach hin redet, und dem Kindlein Jesus einen so hohen Titel gibt, und Herr nennt, so ist es eine gewisse Anzeigung, daß dies Kindlein, von Maria der Jungfrau leiblich geboren, natürlicher, wahrer, ewiger Gott sei, sonst würde der Engel ihn bestimmt nicht Herr heißen.

Unser Heiland ist er, und der Engel nicht, wieder Engel hier klar sagt: «Euch ist der Heiland geboren.» Aber ist nicht allein unser Herr, sondern auch der Engel Herr; die sind nun mit uns und wir mit ihnen dieses Herrn Hausgesinde, zählen sich unter diesen Herrn zugleich mit uns, daß wir Menschen, die wir zuvor des Teufels Knechte waren, durch dies Kindlein zu solchen Ehren kommen, daß wir nun in der Bürgschaft der lieben Engeln angenommen sind. Die sind jetzt unsere besten Freunde, daß wir uns mögen rühmen um dieses Kindleins willen, daß wir mit den Engeln und sie mit uns einen einigen Herrn haben, einerlei Hausgesinde miteinander sind.

Die lieben Engel sollten billig hoffärtig sein, daß sie viel edler sind denn wir Menschen: erstens ihrer Natur und Wesens wegen, danach auch, daß sie ohne Sünde sind. Aber da spürt man keine Hoffart, sie verachten uns Menschen um unseres Jammers willen nicht, unser Sterben, Sünde und Not ist ihnen von Herzen leid. Darum haben sie auch so eine herzlichen Freude über die Hilfe, so uns durch dies Kindlein widerfährt, gönnen uns die Seligkeit wohl, als sich selbst, daß wir das Kindlein zu eigen bekommen, welches ihr Herr ist, und zu hohen Ehren bringt, daß wir ihre Mitgenossen sein sollen. Sie sagen nicht: Ich mag die Sünder nicht, die stinkenden Toten, die im Grabe liegen, die Hurer, die Buben. Nein, so sagen sie nicht, sondern sind von Herzen fröhlich darüber, daß sie solche Sünder zu Frieden kriegen, und loben Gott darum, daß wir von der Sünden los werden, und zu ihnen in ein Haus und unter einen Herrn gekommen sind. Um solcher Gnade willen danken und preisen sie Gott, deren sie doch nicht genießen.

Wie viel mehr will sich’s nun gebühren, daß wir auch Gott dafür danken und loben, und unter einander auch lieben und Dienst beweisen, wie der Sohn Gottes uns bewiesen hat, der unser Fleisch und nächster Freund geworden ist. Wer aber solches nicht achten, den Nächsten nicht auch so lieben und ihm helfen will, dem ist, wie ich oben gesagt habe, nicht zu helfen.

Das ist die erste Predigt nach Christi Geburt von diesen Kindlein, die geht nun durch die Welt durch und durch, bis an der Welt Ende. Darum sollt ihr fleißig merken; denn hier steht, wie die lieben Engel unsere Freunde geworden, und mit der fröhlichen Botschaft zu uns gekommen sind, und gesagt: Wir sollen uns nun nicht mehr fürchten, weil das Kindlein uns geboren ist und unser Heiland sein will. Dies ist der rechte, höchste und beste Trost, da man Gottes Gnade und Barmherzigkeit ganz gewiß dran prüfen kann, daß Gott, der allmächtige, ewige Vater, sich über uns erbarmt, und uns seinen Sohn gegeben hat auf eine so freundlicher Weise, durch ein zartes, keines, junges Jungfräulein, den legt er in ihren Schoß hinein, und läßt uns predigen: Er sei unser Heiland; was uns mangelt, daß sollen wir an ihm finden; er wolle unsere Hilfe und Trost sein, daß von nun an zwischen Gott und uns aller Zorn aufgehoben und nur lauter liebe und Freundlichkeit sein soll.

Da denke du nun, ob Gott denen unrecht tue, wenn er sie gleich ewig verdammt, die solches hören und sich doch solches nicht annehmen, wie die blinden verstockten Katholiken tun, die sich an diesem Heiland nicht genug sein lassen, suchen sich andere Heilande, darauf sie sich verlassen. Des Engels Predigt lautet anders, nämlich, daß dies Kindlein allein unser Heiland sei, an dem wir allein allen Trost und Freude haben sollen, als an dem höchsten Schatz; wo der ist, da sehen alle Engel und Gott selber hin.

Solchen Schatz aber legt er nicht allein der Mutter in den Schoß, sondern mir und dir, und sagt: Er soll dein eigen sein, sollst sein genießen, und alles, was er hat, im Himmel und auf Erden, daß soll dein sein. Wer nun solches hört, doch keine Freude davon hat, oder diesen Heiland fahren läßt und sucht einen anderen, der ist wert, daß ihn der Donner neun Ellen unter die Erde schlage. Deswegen sollen wir Gott um seine Gnade danken und bitten, daß er diese Engelpredigt selbst in unsere Herzen reden und schreiben wolle, auf das wir uns dieses Heilandes recht trösten und durch ihn Tod und Teufel überwinden mögen. Das helfe uns unser lieber Herr und Heiland Christus, Amen.

Einsam am Heiligen Abend

October 23rd, 2009

Eine Weihnachtsgeschichte von Herman Bang (1857-1912)

Jedesmal wenn Weihnachten kommt, muß ich an Herrn Sörensen denken. Er war der erste Mensch in meinem Leben, der ein einsames Weihnachtsfest feierte, und das habe ich nie vergessen können.

Herr Sörensen war mein Lehrer in der ersten Klasse. Er war gut. Im Winter bröselte er sein ganzes Frühstücksbrot für die hungrigen Spatzen vor dem Fenster zusammen. Und wenn im Sommer die Schwalben ihre Nester unter den Dachvorsprung klebten, zeigte er uns die Vögel, wie sie mit hellen Schreien hin und her flogen. Aber seine Augen blieben immer betrübt.

Im Städtchen sagten sie, Herr Sörensen sei ein wohlhabender Mann. “Nicht wahr, Herr Sörensen hat Geld?” fragte ich einmal meine Mutter. “Ja, man sagt’s.” – “Ja … ich hab’ ihn einmal weinen sehen, in der Pause, als ich mein Butterbrot holen wollte …”

“Herr Sörensen ist vielleicht so betrübt, weil er so allein ist”, sagte meine Mutter. “Hat er denn keine Geschwister?” fragte ich. “Nein – er ist ganz allein auf der Welt…”

Als dann Weihnachten da war, sandte mich meine Mutter mit Weihnachtsbäckereien zu Herrn Sörensen. Wie gut ich mich daran erinnere. Unser Stubenmädchen ging mit, und wir trugen ein großes Paket, mit rosa Band gebunden, wie die Mutter stets ihre Weihnachtspäckchen schmückte.

Die Treppe von Herrn Sörensen war schneeweiß gefegt. Ich getraute mich kaum einzutreten, so rein war der weiße Boden. Das Stubenmädchen überbrachte die Grüße meiner Mutter. Ich sah mich um. Ein schmaler hoher Spiegel war da, und rings um ihn, in schmalen Rahmen, lauter schwarzgeschnittene Profile, wie ich sie nie vorher gesehen hatte.

Herr Sörensen zog mich ins Zimmer hinein und fragte mich, ob ich mich auf Weihnachten freue. Ich nickte. “Und wo wird Ihr Weihnachtsbaum stehen, Herr Sörensen?” – “Ich? Ich habe keinen, ich bleibe zu Hause.”

Und da schlug mir etwas aufs Herz beim Gedanken an Weihnachten in diesem “Zuhause”. – In dieser Stube mit den schwarzen kleinen Bildern, den schweigenden Büchern und dem alten Sofa, auf dem nie ein Mensch saß – ich fühlte das Trostlose, das Verlassene in dieser einsamen Stube, und ich schlug den Arm vors Gesicht und weinte.

Herr Sörensen zog mich auf seine Knie und drückte sein Gesicht an meines. er sagte leise: “Du bist ein guter, kleiner Bub.” Und ich drückte mich noch fester an ihn und weinte herzzerbrechend.

Als wir heimkamen, erzählte das Stubenmädchen meiner Mutter, ich hätte gebrüllt.

Aber ich schüttelte den Kopf und sagte: “Nein, ich habe nicht gebrüllt. Ich habe geweint. Und weißt du, ich habe deshalb geweint, weil nie jemand zu Herrn Sörensen kommt. Nicht einmal am Heiligen Abend…”

Später, als wir in eine andere Stadt zogen, verschwand Herr Sörensen aus meinem Leben. Ich hörte nie mehr etwas von ihm. Aber an jenem Tag, als ich an seiner Schulter weinte, fühlte ich, ohne es zu verstehen, zum ersten Male, daß es Menschen gibt, die einsam sind. Und daß es besonders schwer ist, allein und einsam zu sein an Weihnachten.

Das Weihnachtsfest – Weihnachtsgeschichte

October 23rd, 2009

Weihnachtsgeschichte von Carl Hauptmann (1858-1921)

Nun war Weihnachten gekommen. Nun waren allerhand Verkaufsbuden in der Stadt am Markt aufgeschlagen, woran auch Mathilde neugierig und staunend stand. Nun ließ sie nicht locker abends, wenn sie aus der Fabrik entlassen waren, Saleck am Arme festzuhalten, bis er mit ihr durch die Straßen ging, die wie ein Fest-Haus erleuchtet waren, und im Schneeflockenfall selbst Strahlen und Glanz warfen. Nun stand sie und hatte großes, kindliches Staunen in ihren hellen Augen, wenn sie die blitzenden Kleinodien unten im Schaufenster des Juweliers anstarrte, oder vor den zarten Schleierroben stand, die der Konfektionär über Stöcke gezogen und in voller Figur ins Schaufenster gestellt hatte, von allen Seiten beleuchtet und glitzernd wie mit Tau besät. Sie lachte und freute sich, weil ihr auch die Spinnennetze einfielen, die in freier Wiese und am Waldrande gelegen – und “noch tausendmal schöner waren”, sagte sie. Und dann standen sie auch vor dem billigen Laden, und Saleck horchte, ob sich Mathilde nicht irgendwie verraten wollte. Denn er war ganz nur sie in allem. Und er wollte sie jetzt aushorchen, um ihr daheim im Stübel ein Tischchen zu decken.

“Hahaha, ‘n Sonnenschirm wie den” – es war tiefer Winter. Wie Mathilde grade auf den Sonnenschirm kam, begriff er nicht. Es mochte ihr dünken, daß es besonders wertvolle Leute wären, die Zeit hatten, die Sonne abzuhalten, daß sie nicht die Haut zu sehr brenne. Sie dachte wohl auch an den feinen Wagen des Direktors, in dem junge Fräuleins in losen, heiteren Gewändern und mit seidenen, bunten Spitzenschirmen zurückgelehnt aus dem Parktor ausgefahren waren. Einen Sonnenschirm schien sie zu wollen, und Saleck war heimlich glücklich, daß er es wußte. Er nahm sich extra eine Freistunde vom Portier und kaufte ihn heimlich und ließ ihn dann in sein Stübel schicken. Ganz selbstbewußt sagte er: “Wenn ich noch nicht daheim bin, soll ihn die Wirtin in Empfang nehmen.” So ging es einige Male, wenn sie nun ihren Feierabend unter den Schaufensterschimmern in der Stadt umgingen, Schritt um Schritt in der Menge, gar nicht aus dem Staunen kommend, da und dort auch einen kindlichen Freudenruf ausstoßend.

Und heut war der Freitag – vor dem Feste -, der letzte Tag, denn auf Freitag fiel der heilige Abend. Die Fabrikherren hatten allen einen halben Tag Arbeit geschenkt und hatten schon um Mittag Schluß gemacht. Alles strömte heute aus den Toren heraus mit einem ganz anderen Gesichte. Mein Gott – wie ein heiteres Gefühl doch soviel Glück und Leuchten in die Augen und Wangen der Menschen bringen kann. Man sah fast gar keine Sorge mehr, gar keine Rohheit in jungen Gesichtern, die sonst frech und höhnisch miteinander sich trafen und mit gemeinen Worten nach einander warfen; gar kein Scheelsehen, wenn jetzt Mathilde froh und frei herbeischritt, und keinen Spottblick auf den Huckigen, der neben ihr ging, fast mit kürzeren Schritten. Gar nichts merkte man, daß die Arbeit eintönig und ermüdend gewesen, aus der sie kamen, als wenn alle eingeladen wären, festlich zu sein – und Freund und Bruder wären -, und nichts sich befehdete und beleidigte in ihren Seelen. Selbst der Portier gab allen einen freundlichen Gruß. Die Werkmeister standen schmunzelnd noch im Hof und reichten gar alten Arbeitern die Zigarren zum Anzünden und riefen sich Glücksworte zu, daß das Fest sollte ein Freudenfest sein. – Und der Herr kam auch und konnte nicht genug den Hut lüften vor jedermann, der vorbeischritt, und wie der Portier ihm zusprang, tat er es auch, als wenn er sagen wollte: “Oh, wie gerne – wie schön ist es” – und hatte ein freundliches Lachen im Gesicht, das jener ebenso erwiderte. Es war wirklich wie Weihnachten.

Mathilde war schon am Mittag heimgekommen und hatte Saleck ausdrücklich gesagt, daß er erst gegen Abend kommen dürfte. Sie wollte sich einmal gründlich reinigen. Sich und ihre Sachen ins Reine bringen, wenn nun Feiertage kämen. Und auch das Stübel reinigen, daß sie dann abends bei dem brodelnden Topfe sitzen könnten, und die gewaschene Ofenbank und der weiße Tisch, alles um sie auch reden sollte: heut ist ein Fest. An weiteres hatte sie nicht gedacht. Daß dann Saleck kommen und ihr alles mögliche bringen würde, “oh, nee, mit keener Silbe!” – Zu wünschen war sie wohl kaum gewöhnt. Wenn sie ein Erstaunen hatte laut werden lassen, war es noch lange kein Wunsch gewesen – gar noch einer, der sich erfüllen sollte. Sie lachte ganz aus dem Grunde im Wesen, wie sie auch aus dem Wesensgrunde weinen konnte. Es war fast ein Leiden ihr Lachen, wie sie Saleck einen Augenblick, ja fast schließlich einen ganz unaushaltbaren Augenblick hinausgeschickt, um ihr Tischchen aufzubauen, worum er Reiser gelegt, und sie dann erstaunt eintrat -: als wenn sie einen Augenblick in ein Paradies hineinsähe, wo alles zu liegen schien, was ihr Herz begehren könnte – ein feiner Schirm sogar, ein Schirm und ein paar ganz feine Schlafschuhe, bunt innerlich und weich, “für Füßchen”, sagte sie ein über das andere Mal ganz ernst. – Und sie lachte, wie sie es anschaute, ohne es zu berühren, ganz erschrocken, fast so krampfhaft auf einmal, daß es ihr wie ein Bleichgewordensein plötzlich einen Strom von Tränen hervorpreßte, solche Wundertränen, solche Freudentränen. Oh, sie liebte Saleck – sie liebte ihn. Solche Tränen waren ihr nie aus den Augen gesprungen. Und sie stand und starrte und umarmte ihn leise, fast wußte er nicht mehr, ob es im Leide war. Und sie trocknete sich die Tränen schnell und ging weg an den Herd und wagte nichts zu nehmen – bis ihre Bewegung langsam schwand. Dann erst sch alt sie ihn leise und war zärtlich und sah alles nacheinander an und begriff noch immer wieder nicht, daß jemand ihr das brachte.

Und wie sie so stumm voreinander saßen, im Glück, kam Frau Weber, reinlich und sorglich gekleidet, und fragte, ob sie nicht hinüberkommen möchten, beide – denn Vater Weber hätte es gern, sie wären im Leben fromm gewesen und wollten heute mit den Jungen Weihnacht feiern. Da erhoben sie sich, so andächtig und feierlich wie nie im Leben. Es war fast ein Zittern in ihrer Brust, daß Mathilde sich hinter Saleck drückte und nicht recht atmen konnte, wie sie eintraten – wo der Alte – ein mächtiges graues Haupt noch voll von Haaren und einem grauen Kranz voll straffer Borsten um Wangen und Kehle, sonst runzlich – aber in seinen Augen auch jene Feierfreude, die in allen rätselhaft durchs ganze Land glänzte – wo der alte Mann, der sich nicht mehr erheben konnte, ihnen entgegenlachte, sie einzuladen.

“Kommen Sie”, sagte er. Mathilde trat ganz schüchtern ein – und Saleck sagte nur steif: “Schön guten Abend – stören wir nicht?”

“Oh”, sagte der Alte lachend – “ich bin fast fünfundachtzig, aber es ist ja Weihnachten – es ist ja heiliger Abend.”

Und Frau Weber rückte dem Alten die Lampe nahe vors Gesicht, der gleich ein großes Glas vors Auge genommen und ernst ins Bibelbuch hineingesehen – so daß Saleck und Mathilde auch ohne weitere Worte begriffen hatten, worum es sich handelte; und während sie zögernd Platz genommen, und Frau Weber einen kleinen Lichterbaum entzündete, der auf dem Schube zu strahlen begann, klangen des alten Weber Worte laut und mit zitternder Freude:

“Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Wett geschätzet würde. Und diese Schätzung war die allererste, und geschah zu der Zeit, Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und Jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seiner Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seiner Verlobten. Die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn, und wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden und hielten ihre Nachtwachen bei ihrer Heerde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren wird; denn euch ist heute ein Heiland geboren, welches ist Christus der Herr in der Stadt Davids. Und dies ist das Zeichen für euch, ihr werdet finden ein Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegend. Und aIsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott, und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen.”
Mathilde bebte. Sie wußte gar nicht, daß sie jemals diese Geschichte gehört hatte – solch ein Wunderbares klang eindringlich darin, solch eine Kraft lag in den Gesichtern, wie da die Hirten schlafen im weiten, einsamen Felde unter ihrer schlafenden Herde. Und aus der Nacht und dem Dunkel ein einziger Strahl herniederbricht zu den wenigen Wächtern, und ein Engel durch die Wolken licht herniedersteigt, der ihnen, den armen Hirten, verkündend sagt: “Fürchtet euch nicht. Ich verkündige euch große Freude.” Und Mathilde war es, als ob sie alles um sich vergessen hätte, und ihre Seele befreit würde von aller Furcht. Eine solche Hoheit umfloß sie aus jenen zitternden Freudenworten, die im Raume klangen, wo nur Frau Weber mit gefalteten Händen saß, wie mit weiten Augen in Licht sehend, und Saleck saß, der jede Silbe hastig von des alten mächtigen Tischlers Lippen sog -, der tief und voll zu reden fortfuhr. Er hatte jetzt die Bibel beiseite geschoben und begann, freie Worte zu machen, die klangen, als wenn sie von weit herkämen und nicht allein aus seinem Munde und Herzen, aus Tausenden und Millionen – durch alle Zeiten der Menschheit hindurch – und er sagte – immer noch, als wenn ein Funkeln Glückes und Staunens und seliger Dank aus seinen Augen und Mund empor ging, obwohl gar kein Lächeln seine Züge umspielte: “Das ist das Wunder, daß Christus ein Christkind ward. – Wie wundersam, daß Christus ein Kind ward, im Stalle geboren, und ein Stern aus der Höhe darüber leuchtete. Die Kindschaft Christi ist das wahre Wunder – und ewig auch daraus die Verheißung, daß wir zu Kindern werden müssen, um zu Gott zurückzukommen, daß ewig Gott zum Kinde wird. Alle Verheißung liegt im Kinde. Die Anbetung des Kindes: welche Schrecken erfassen mich, wenn ich an eine Familie denke, die in den Öden des Lebens hoffnungslos und heimatlos einhergeht, gescheucht und verarmt, zur Herberge in eine m Stalle, und die nun anbetend kniet vor einem Kinde, über dem ein Stern aus der Höhe leuchtet. Es ist ein Fluch, wenn wir hart werden, starr werden, und wenn wir nicht immer wieder einmal werden wie die Kinder…” Und er wiederholte es, und alle empfanden das Wunder, daß wir noch immer an der Krippe stehen, wo ein armes Kind aus der Wiege blickt, die ewige Hoffnung. Und Mathilde begriff es ganz, was sie niemals begriffen. Es durchschauerte sie. Und Saleck dachte an Mathilde und sah, wie sie dasaß, als wenn tausendmal der Himmel geöffnet wäre und Hoffnungen, die sie nie gesehen, sich aufgetan. Ihr Herz war zum Springen. Sie lauschte demütig, und ihr Herz war zum Springen; und sah den Alten an und sog auch wie Saleck seine Worte vom Munde, – bis er schwieg – und alle lange schwiegen. Und “Stille Nacht” erklang es aus den verwelkten Lippen, worein auch wieder die zitternde, hohe Stimme der Alten einfiel -, fromm und zufrieden, daß selbst Saleck ganz erschüttert einzustimmen wagte, und Mathilde bebend sang, ohne noch zu weinen – und dann beide sich demütig, wie vor einem Vater und einer Mutter beugten und dankten, mit fast erstickten Worten.

Auch in Mathildes Träume klang es nach, daß sie im Traume so inbrünstig weinte vor Staunen und Freude, bis sie von ihren Tränen erwachte und – noch immer die Musik der himmlischen Heerscharen und die Verkündigung an die armen, einsamen Hirten im Grunde – froh und jubelnd ins Dunkle, Einsame emporsah. Denn da in der Tiefe auch des Armen leben alle Verkündigungen.

Weihnachtsgedicht – Das Dorf im Schnee

October 23rd, 2009

Weihnachtsgedicht von Klaus Groth (1819-1899)

Still, wie unterm warmen Dach,
Liegt das Dorf im weißen Schnee;
In den Erlen schläft der Bach,
Unterm Eis der blanke Schnee.

Weiden steh’n im weißen Haar,
Spiegeln sich in starrer Flut;
Alles ruhig, kalt und klar
Wie der Tod der ewig ruht.

Weit, so weit das Auge sieht,
keinen Ton vernimmt das Ohr,
Blau zum blauen Himmel zieht
Sacht der Rauch vom Schnee empor.

Möchte schlafen wie der Baum,
Ohne Lust und ohne Schmerz;
Doch der Rauch zieht wie im Traum
Still nach Haus mein Herz.



Es sind noch 319 Tage bis Weihnachten